„Chemovar“ der korrekte Begriff für unterschiedliche Ausprägungen der Cannabispflanze

Feb 10, 2020 | Über die Pflanze

Sprache ist wichtig! Und gerade bei Cannabis gibt es leider gefühlt eine Million an Worten, die alle dasselbe, aber doch nicht alle dasselbe meinen. Wir haben in der Vergangenheit bereits berichtet, dass „medizinisches Cannabis“ nicht immer das Gleiche ist, je nachdem, welche Wirkstoffe darin sind. Trotzdem wird, gerade in den Medien, immer wieder falscher Jargon verwendet, um über Cannabis zu berichten. 

Heute geht es aber speziell um das Wort „Strain“, das bei Cannabis oft benutzt wird, um Pflanzen zu unterscheiden, und im Deutschen als „Sorte“ übersetzt wird. Doch botanisch gesehen ist der Begriff „Strain“ für die Cannabispflanze nicht richtig. Denn: In Cannabispflanzen befinden sich über 500 verschiedene Inhaltsstoffe, die allesamt in ihrer Zusammenwirkung, dem Entourage-Effekt, den Effekt auslösen. 

Es ist nur verständlich, das Menschen nach verschiedenen „Sorten“ von Cannabis suchen, je nach der Wirkung, die sie erzielen möchten. Doch der Begriff „Strain“ ist laut einer neuen Studie eine ungenaue Art, Cannabis zu beschreiben. Der Begriff eignet sich für Bakterien und Viren, aber nicht für Pflanzen.

„Da Faktoren wie Pflanzenhöhe und Blattbreite eine Cannabispflanze nicht von einer anderen unterscheiden und ähnliche Schwierigkeiten bei der Unterscheidung in Sativa/Indica vorliegen, ist die einzig vernünftige Lösung, die Cannabispflanze durch ihre biochemischen und pharmakologischen Eigenschaften zu charakterisieren“, schrieb Russo in der neuen Studie. Richtig sei, so der Autor, der Begriff „Chemovar“, der die chemischen „Variabilität“. 

Chemovare, auch Chemotypen genannt, bezeichnen die Eigenschaften einer Pflanzenart nach ihrer chemischen Zusammensetzung. Die Chemovar-Klassifizierung ist für Züchter und Produzenten von zentraler Bedeutung. Bestimmte chemische Merkmale bestimmen zum Beispiel, ob eine Cannabis-Pflanze ein größeres CBD-zu-THC-Verhältnis aufweist oder umgekehrt. Sie kann auch das Vorhandensein und die Bioverfügbarkeit bestimmter Terpene bestimmen.

Die Chemovar-Klassifikation ist ein Update der bisherigen Methoden zur Identifizierung von Cannabis. Anstatt wie bisher nur anhand des Gehalts an Cannabinoiden zu klassifizieren, wird bei dieser Methode auf das Zusammenspiel zwischen Terpenen und Cannabinoiden geachtet. Die Chemovar-Klassifikation hat diese drei primären Phänotypen:

Typ I – THC-überwiegend
Typ II – Bilanz von THC und CBD
Typ III – CBD-überwiegend

Die neue Cannabis-Chemovar-Methode wurde eingeführt, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Konsumenten im Cannabismarkt, sowohl von Freizeit- als auch von medizinischen Marihuanakonsumenten, gerecht zu werden.

Die Chemovar-Klassifizierung gilt unabhängig von dem Teil der Pflanze, der für die Cannabinoid-Extraktion verwendet wird. Unabhängig davon, ob die Fasern der Pflanze oder die Blütenknospen verwendet werden, von denen letztere Harze mit hohem THC-Gehalt enthalten, ist die Chemovar-Klassifizierung ein notwendiger Bestandteil der Analyse der Probe. Die Zukunft wird zeigen, dass die Einteilung in Cannabis Sativa und Cannabis Indica bei Weitem nicht ausreicht. 

Quellen:
https://www.moderncanna.com/resources/cannabis-chemovars/