Legale Modelle der Cannabisabgabe – die es bereits heute gibt

Apr 3, 2020 | Et Cetera

Cannabis vom Schwarzmarkt zu kaufen ist, gerade in Zeiten von Covid-19, einfach nicht die beste und sicherste Art und Weise, an sein Cannabis zu kommen. Doch dank dem illegalen Status unserer Lieblingspflanze ist es teilweise einfach nicht möglich, anders als auf dem Schwarzmarkt an die begehrten Blüten zu kommen. Geraucht wird oft, was man bekommt. Ob das nun mit Düngern verunreinigt ist, oder aber Kot von diversen Insekten an sich haften hat, ist leider viel zu oft egal. “Hauptsache es knallt!” ist ein Satz, den man in der Cannabiscommunity doch immer wieder zu hören bekommt. Aber die Schikane mit dem Schwarzmarkt muss nicht sein! Andere Länder gehen, teils schon seit Jahrzehnten, neue Wege, und sind damit sehr erfolgreich. In diesem Blogbeitrag geht es um die legalen Abgabeformen von Cannabis in verschiedenen Ländern der Welt.

Abgabe über Apotheken

In Ländern wie Deutschland und Uruguay wird diese Lösung derzeit praktiziert und funktioniert, zumindest in der Theorie, sehr gut. Während in Deutschland nur Cannabispatienten ihre Blüten aus der Apotheke bekommen, ist in Uruguay jeder Bürger berechtigt, bei einer staatlichen Apotheke 10 Gramm Cannabis pro Woche zu erwerben. In beiden Ländern wird der Verkauf über Apotheken streng überwacht, um sicherzustellen, dass keine Blüten auf den Schwarzmarkt gelangen. Während Deutschland noch immer auf die erste heimische Ernte warten lässt, produziert Uruguays Staatsführung seit einigen Jahren selbst das Cannabis, das sie an die Bürger abgeben – und das sehr günstig. Anders in Deutschland: Hier werden tonnenweise Cannabisblüten aus der ganzen Welt zugekauft. Blüten aus den Niederlanden und Kanada zählen hier zu den Bestsellern. 

Wie in Deutschland ist aber auch in Uruguay die Verfügbarkeit eines der größten Probleme. Nicht viele Apotheken entschließen sich, Cannabis zu verkaufen, was in Uruguay zu teils langen Schlangen vor den Apotheken und in Deutschland zu unterversorgten Patienten führt. Wie leider sonst auch so oft haben die Regierungen der Länder die Nachfrage nach diesem Heilkraut unterschätzt. In Deutschland zählt Cannabis zudem weiterhin als Betäubungsmittel und darf daher nur mit entsprechender Berechtigung verschrieben und verkauft werden. Die Abgabe über Apotheken ist aber prinzipiell nicht die schlechteste Lösung, und gewiss einem Schwarzmarkt vorzuziehen!

Abgabe durch Coffeeshops

Ein sehr freizügiges Modell der Cannabisabgabe wird seit Jahrzehnten in den Niederlanden praktiziert. Dort wurde in den 1970er Jahren eine richtungsweisende Entscheidung vonseiten der Polizei getroffen. Sie beschlossen, Cannabis und andere weiche Drogen nicht mehr zu verfolgen. Das Ergebnis sind die Coffeeshops, wie sie auch heute noch existieren. Sie verkaufen Cannabisblüten, Hasch und essbare Cannabiskuchen an Touristen und Einheimische, um diesen den Tag zu versüßen. Und: Das Projekt ist sehr erfolgreich!

Das Prinzip ist simpel: Jeder Besucher darf in diesen Shops neben feinen Tees und Kaffee auch bis zu 5 Gramm Cannabis pro Tag kaufen. Das Angebot reicht von Cannabisblüten über Haschisch bis zu Edibles. Konzentrate zählen zu den harten Drogen und dürfen nicht verkauft werden. Es gibt jedoch oft vor Ort eine Möglichkeit, aus den erworbenen Blüten selbst Rosin herzustellen. Konsumenten weltweit erfreuen sich an dieser Regelung, da sie in diesen Etablissements unbehelligt konsumieren können.

Doch für die Coffeeshopbesitzer ist es ein risikoreiches Geschäft. Die 500 Gramm, die maximal in einem Shop gelagert werden dürfen, reichen bestenfalls für das Vormittagsgeschäft, was dazu führt, dass sämtliches Cannabis, dass über die Theke „legal“ verkauft wird, illegal über die Hintertür angekauft werden muss. Da auch Anbau und Verkauf von Grow-Equipment in den Niederlanden unter Strafe stehen, ist der gesamte Markt immer noch als illegal zu betrachten. 

Seit letztem Jahr gibt es in einigen Städten der Niederlande ein Modellprojekt, das von der Regierung überwacht wird und auf Geheiß der Regierung Cannabis anbaut. Es gibt also, zumindest in einigen Teilen der Niederlande, eine derzeitige Lösung zur “Hintertürproblematik” 

Abgabe durch Cannabis Social Clubs

Was haben die Sagrada Familia und Cannabis Social Clubs gemeinsam? Beide machen die Stadt Barcelona zu etwas ganz Besonderem. Ein Cannabis Social Club ist für die Cannabisversorgung seiner Mitglieder in Spanien zuständig. Diese Abgabestellen befinden sich vor allem in Spanien, seit Kurzem auch in Uruguay, und sie sind rechtlich durch eine Entkriminalisierung des privaten Anbaus möglich. Er ist aufgebaut wie ein Verein, in dem die Mitglieder einen Mitgliedsbeitrag zahlen, durch den sie Zugang zum Club haben und die Räumlichkeiten des Vereins nutzen können. Der Club organisiert dann den Anbau und die Weiterverarbeitung des Cannabis für alle seine Mitglieder, welche dieses dann im CSC erwerben und konsumieren können.

Ziel der CSCs soll es eigentlich sein, zu agieren, ohne dabei eine Gewinnabsicht zu haben. Die Kosten die für den Anbau, das Trimmen der Blüten und die Weiterverarbeitung sollen gleichmäßig auf alle verteilt sein, wodurch eine kostengünstige Versorgung garantiert wird. Sollte jemand finanziell nicht in der Lage sein für die Blüten zu zahlen, soll es auch für ihn/sie möglich sein, durch Mitarbeit beim Anbau ihren Anteil zu bekommen. Leider funktioniert dieses System momentan in Spanien nur theoretisch, und es ist oft weit vom Non-Profit Gedanken der Gründer entfernt.

Aber welche Vorteile bringt ein CSC mit sich? Abgesehen von dem Sicherheitsaspekt, die der Anbau mit sich bringt, wirken sich CSCs auch auf den Schwarzmarkt aus und bieten Konsument_innen so eine Möglichkeit, in einer sicheren Umgebung ihr Cannabis zu konsumieren. Die Produkte sind normalerweise von höherer Qualität, da die CSC-Besitzer auf jahrelange Kundschaft bauen. Auch der Jugendschutz-Aspekt darf nicht vernachlässigt werden, da CSCs prinzipiell erst ab 18 Jahren zugänglich sind und das Alter immer kontrolliert wird, bevor man den Club betreten darf. Es wird auch eine Kopie des Reisepasses oder Personalausweises an die Mitgliedschaft angehängt, um den Club und seine Aktivitäten jederzeit legitimieren zu können.

Abgabe durch Fachgeschäfte in den USA und Kanada

Die sogenannten „Dispensaries“, was auf deutsch so viel wie „Abgabestelle“ bedeutet, stellen in Amerika derzeit in vielen Staaten einen essentiellen Dienst dar, was bedeutet, dass sie auch in Krisenzeiten geöffnet bleiben. Seit der Legalisierung von Cannabis im Jahr 2014 in Colorado und der folgenden Legalisierungs-Welle in den Nachbarstaaten und bis hinauf nach Kanada gibt es in diesem Teil der Welt die Dispensaries, um die Bevölkerung mit medizinischem Cannabis oder Cannabis zum Freizeitgebrauch zu versorgen. 

In einigen Staaten der USA, in denen Cannabis bereits legalisiert wurde, ist dieses System im Einsatz und funktioniert wunderbar. Es handelt sich bei diesen Dispensaries um legale Shops, in denen Cannabisprodukten an alle über 21 Jahren verkauft werden dürfen. Der legale Markt bietet hier Getränke mit THC, Hasch, Konzentrate und natürlich verschiedene Cannabisblüten in jeder nur erdenklichen Geschmacksrichtung. Durch den legalen Status der Industrie in vielen Staaten Amerikas hat sich neben dem Anbau und rund um die Verarbeitung von Cannabis eine recht große Industrie gebildet, die verschiedenste Produkte herstellt und verkauft. In den Fachgeschäften erhält man Beratung, Service und Produkte zum Konsum von Cannabis angeboten, zahlt Steuern auf den Einkauf und wird nicht wie ein Krimineller behandelt. In manchen Städten gibt es sogar mehr Dispensaries als Starbucks Filialen. Man sieht also: Cannabis ist dort Teil des Alltags und normal. 

Interessant ist: Das Alter wird in den Dispensaries sehr streng kontrolliert und es gibt keine Möglichkeit, ohne einen gültigen Ausweis einzukaufen – dies stellt einen funktionierenden Jugendschutz sicher. Die Steuern, die auf Cannabis erhoben werden, kommen dem Staat zugute und werden oft direkt in Aufklärungsprogramme investiert oder für soziale Zwecke verwendet.

Exkurs: Legalisierung bzw. Straffreistellung (Entkriminalisierung) des Konsums und Anbau für private Zwecke

In dem kleinen, ex-kommunistischen Land Georgien gab es einen entscheidenden Verfassungsgerichtsentscheid, der den Cannabiskonsum für private Zwecke entkriminalisierte. Solche Entscheide, die einen neuen Weg für den Umgang mit Cannabis ebnen, gab es auch in Südafrika und Mexiko. Wie auch in den anderen Ländern, in denen so ein Entscheid die legale Situation von Cannabis quasi über Nacht änderte, war auch in Georgien eine Klage beim Verfassungsgerichtshof eingereicht worden. In dieser Klage hieß es, dass die Bestrafung des Konsums von Cannabis verfassungswidrig sei, weil man nur sich selbst und keine Dritten gefährden würde. Das Verfassungsgericht kam zum gleichen Schluss und urteilte, dass der Konsum von Cannabis nicht länger bestraft werden dürfe.

Es ist wichtig, anzumerken, dass hier wirklich NUR der Konsum von Cannabis legalisiert wurde. Der Anbau, Besitz und Verkauf von Cannabis ist weiterhin eine Straftat. Wenige Monate nach dem Entscheid gab es jedoch einen Entschluss im Parlament, der diese neugewonnene Freiheit direkt wieder beschnitt: Seitdem dürfen nur Personen über 21 Jahren Cannabis straffrei konsumieren. Personen unter 21 müssen, wenn sie erwischt werden, Strafe zahlen. Doch auch der Konsum außerhalb des eigenen Hauses, in Gegenwart von Kindern oder in der Öffentlichkeit wird seither mit einer Geldstrafe geahndet. Auch der Kauf und Besitz von Cannabis wird nun mit Geldstrafen von 500 $ (1. Verstoß) bis 1500 $ (ab dem 2. Vergehen) bestraft. Man sieht also, Georgien ist noch weit von einer Legalisierung entfernt. Aber immerhin, die Chance, in Georgien wegen Cannabis ins Gefängnis zu wandern ist seit dem Entscheid drastisch gesunken. Geldstrafen tun weh, doch ein Gefängnisaufenthalt ist, soweit sind wir uns wohl alle einig, dann doch eine ganz andere Geschichte.

Quelle:
https://www.telegraph.co.uk/news/2019/08/30/netherlands-moves-towards-legalising-cannabis-production-four/