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Über das Decarboxylieren: die Wissenschaft des Backens mit Cannabis

Dez 8, 2019 | Gesundheit

In diesem Blogbeitrag geht es zur Abwechslung wieder einmal um den Konsum von Cannabis und wir erklären euch, was es mit der Decarboxylierung, der Infusion und der empfohlen Dosis auf sich hat. Denn, wer mit Cannabis backt, der sollte sich ein wenig mit der Wissenschaft des Cannabis und des Backprozesses auseinandersetzen. Man muss immer bedenken, dass Cannabis, wenn es gegessen wird, anders, verzögert und stärker wirkt, als der Konsum eines Joints. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Wird zu viel Cannabis gegessen, kann es zu einer Panikattacke kommen, die sich für den Betroffenen sehr unangenehm anfühlen kann. Es gilt also Vorsicht, wenn man mit Cannabis in der Küche hantiert.

 Die Grundlagen: Decarboxylieren, infusionieren, dosieren

Wer Cannabis essen will, um auf diese Weise eine Wirkung zu spüren, der muss es dafür zuerst „aktivieren“. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Ohne die Aktivierung des THCs gibt es beim Verzehr der „Edibles“ keine Wirkung, da in der rohen/getrockneten Blüte ein Großteil des vorhandenen THCs in Form der nicht-psychoaktiv THC-Säure vorliegt. Diese „Aktivierung“ der Blüte an sich ist jedoch selbst eine Wissenschaft, die man erst einmal verstehen muss, um erfolgreich mit Cannabis zu kochen und backen. Beim Decarboxylations-Prozess wird die, in der Cannabisblüte vorhandene, THC-Säure durch Hitze in das psychoaktive Delta-9-THC umgewandelt. Das also versteht man unter der sogenannten „Decarboxylierung“. Wenn man sich das Wort genauer ansieht, dann fällt auf, dass es sich aus den Silben De-Carb-Oxylation zusammensetzt, was genau beschreibt, was bei dem Prozess passiert: ein Kohlenstoffmolekül wird abgespalten, es entsteht die „aktivierte“ Form von THC. Durch das Decarboxylieren verliert die Blüte ebenfalls an Feuchtigkeit und wird insgesamt etwas leichter, der Grund dafür ist, dass THC-Säure nicht 1:1 zu D9-THC umgewandelt wird.

Vollständige Decarboxylation – Perfektion hat seinen Preis

Es gibt auf dem Markt ein Gerät, das genau diese Funktion übernimmt und eine 100%ige Decarboxylierung verspricht: der Ardent Nova/Lift. Die Firma aus den USA hat sich für die Produktentwicklung viel Wissen zu diesem Prozess angeeignet und zahlreiche Tests mit Laboren durchgeführt. Einige der Ergebnisse stellen sie online zur Verfügung und allgemein gibt es auf ihrer Website sehr viel Information zu dem Prozess an sich. Unter anderem haben sie auch einen Artikel über die Infusionsrate von verschiedenen Ölen, vor und nach Decarboxylierung.

Die Infusion in ein Trägeröl

Nachdem die Grundlagen verstanden wurden und das Cannabis erfolgreich decarboxyliert wurde, sollte es, um einfacher verbackt zu werden, noch in einem Öl gelöst (bzw. in dieses „infused“) werden. Beim Infusionsprozess werden die Cannabinoide aus der decarboxylierten Blüte oder dem sonstigen Ausgangsmaterial in dem Öl gelöst. THC ist lipophil, liebt also Fett und löst sich gut in diesem auf. Es eignen sich eigentlich alle Öle, die erhitzt werden können, doch laut der eben erwähnten Website der Firma Ardent eignen sich Olivenöl, Kokosnussöl und Butter am besten für dieses Vorhaben. Diese Öle haben in Tests zwischen 85% und 93 % der Cannabinoide aufgenommen, was eine relativ hohe Infusionsrate ist. Auch für den Prozess der Infusion gibt es Produkte auf dem Markt, die Perfektion versprechen, wie etwa den „Magical Butter Maker“, doch es ist auch sehr einfach möglich, das Öl zu Hause in einer Schüssel über einem Wasserbad herzustellen. Bei dieser Methode gibt es kein richtig oder falsch. Da das Wasser nie heißer wird als 100C° kann das THC nicht verdampfen, daher kann man die Mischung gut mehrerer Stunden im Wasserbad stehen lassen. Im Internet gibt es verschiedenste Angaben, wie lange das Öl stehen soll. Während viele Chefkochs meinen, dass 1,5 Stunden bereits ausreichend seien, um das Öl vollständig zu „infusionieren“, meinen andere, dass das Öl ruhig 6+ Stunden stehen sollte, um möglichst „potent“ zu werden. Wer die Zeit hat, sollte einfach Mal einen Direktvergleich durchführen!

Schritte überspringen: Decarboxylierung im Öl

Da der ganze Prozess des Decarboxylierens, der anschließenden Infusion relativ lange dauert und mehrere Schritte beinhaltet, werden von Konsumenten oft Schritte übersprungen. Eine weitverbreitete Methode, um Zeit zu sparen, ist es, die Decarboxylierung direkt im Öl durchzuführen.
Man kombiniert also erst Öl und Blüten in einer Schüssel und stellt diese dann auf ein Wasserbad. Die Infusion kommt zuerst und durch die Hitze wird eine Decarboxylation begonnen. Nach einigen Stunden hat man ein „fertiges“ Öl, mit dem man backen kann.
Aber ACHTUNG: Tests der Firma Ardent zeigen, dass eine Infusion, die so durchgeführt wird, zwar viele der Cannabinoide aufnimmt, diese jedoch NICHT vollständig decarboxyliert! Bei einem Test, bei dem 1 Gramm Cannabisblüten in 28g Kokosnussöl gelöst wurde zeigte sich, dass nach fast 2 stündiger Infusion 80% der Cannabinoide im Öl gelöst waren, jedoch lediglich 33% der THC-Säure in THC umgewandelt wurde.
In einem konkreten Beispiel hießt das, dass ein „Edible“, in dem zb. 100 mg THC enthalten sein sollen lediglich 33 mg echtes THC sind und 67 mg THC-Säure. Hier wird es wieder wichtig, den Unterschied zwischen THC und der THC-Säure zu kennen, denn da nur das aktive THC einen Rausch erzeugt, wäre so ein „Edible“ nur ⅓ so stark wie angegeben.
Man sieht also: Die Decarboxylierung der Blüten ist wirklich ein MUSS!

Der letzte Schritt: Dosieren und Backen

Nachdem der Decarboxylations-Prozess abgeschlossen und das Trägeröl mit den Cannabinoiden „infused“ wurde, sind wir bereit für den letzten Schritt: das Dosieren und Backen der „Edibles“. Sehr ähnlich den vorherigen Schritten ist auch hier Vorsicht geboten und Aufmerksamkeit vorausgesetzt. Mit dem entstandenen Öl kann jetzt gearbeitet werden. Man muss lediglich die Dosierung beachten. Eine Überdosis THC in „Edibles“ wird man, von allen Konsumarten, am meisten spüren und sie kann verglichen zum Rauchen, die schlimmsten Nebenwirkungen mit sich bringen. Es ist daher sehr wichtig, die Dosis der Menschen zu kennen, die man bekocht oder für die man backt.

Die Gesundheitsämter in Washington und in Colorado empfehlen 10mg THC als eine Dosis, daher ist es empfehlenswert, mit dieser Dosis anzufangen. Für Personen, die bisher keine Erfahrung mit Cannabis gemacht haben, ist 10mg als Dosis definiert, die spürbar ist und als angenehm empfunden wird. Mit steigender Erfahrung kann man sich auch an höhere Dosen herantasten. Es ist leicht noch eine Portion zu essen, wenn kein Effekt Auftritt. Doch wenn ein „Edible“ erst einmal wirkt, ist es schwer, die Wirkung abzuschwächen. CBD-Öle oder CBD Blüten können im Notfall jedoch Wunder wirken.

Zur Errechnung der Gesamt-mg in unserem Öl

Eine einfache Formel zur Berechnung der gelösten Cannabinoide lautet wie folgt: Blüten in g x 1000 x Prozent THC.
Ein Beispiel: 10g Blüten mit 15% ergibt 10x1000x0,15= 1500mg THC im Öl. In der Realität lassen sich 80%-90% des THCs im Öl lösen, also 1500*0,85 = 1275mg.
Angenommen wir haben 250ml Öl verwendet, um die Blüten darin zu lösen, dann rechnet man die 1275mg THC durch 250ml und erhält 5,1mg THC/ml Öl. Dementsprechend braucht man nur geringe Mengen des Öls, um eine Speise mit Cannabis anzureichern. Wir erinnern uns: 10mg sind eine empfohlene Dosis.

Wir von CultureSativa wünschen euch viel Spaß beim backen.