Vater der Prohibition: Harry Anslinger

Dez 5, 2019 | Geschichte

Am Mittwoch stellen wir auf unseren Social Media Seiten immer Personen vor, die in der Welt des Cannabis in einer oder anderer Art wichtig sind und unserer Meinung nach bekannt sein sollten. Wir haben bereits viele Aktivisten vorgestellt, die Cannabis unterstützen und sich für eine Legalisierung und Regulierung der Nutz- und Heilpflanze Cannabis Sativa L. einsetzen. Doch heute geht es um das absolute Gegenteil solcher Leute: den Vater der Prohibition, Harry Anslinger. Für diesen Mann haben wir uns sogar die Zeit genommen, einen Blogartikel zu schreiben, den wir euch nicht vorenthalten wollen.

Große Worte – großer Rassismus

Ein kleines Zitat dieses charmanten Herren zuerst: „Es gibt 100.000 Kiffer in den USA, und die meisten sind Neger, Lateinamerikaner, Filipinos und Entertainer. Ihre satanische Musik, ihr Jazz und Swing sind auf den Cannabiskonsum zurückzuführen. Dieses „Marihuana“ veranlasst weiße Frauen, sexuelle Beziehungen zu Negern, Entertainern und allen anderen einzugehen.“ Ein Prachtkerl, nicht wahr? Doch genug der Zitate, Zeit für Fakten.

Hintergrund zur Person Anslinger

Harry J. war der Chef des amerikanischen Büros für Narkotika – der späteren DEA. Sein Job war es, die Alkoholprohibition in Amerikas Staaten zu überwachen und die Einhaltung sicherzustellen. Er und sein Büro, bestehend aus wenigen hundert Beamten, sollten die gesamte USA überwachen und das Verbot umsetzen. Eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Sein Team und er scheiterten kläglich an dieser Aufgabe und der Schwarzmarkt für Alkohol florierte. Wenige Jahre nach der Einführung des Alkoholverbots beschloss die US Regierung, dass es ein Fehler war. Die Prohibition wurde per Verfassungszusatz wieder aufgehoben, und nach dem Ende der Alkoholprohibition gab es eigentlich keine Aufgabe mehr für ihn und sein Büro. Es kam, wie es kommen musste. Ein neues Feindbild musste her.

Vorher Cannabis – später Marihuana

Und so nahm Harry Anslinger die Heilpflanze Cannabis Sativa L. ins Visier, die in viele Apotheken und Tausenden Haushalten als Medizin eingesetzt wurde. Man darf nicht vergessen, dass in westlichen Apotheken Cannabisextrakte als eine leichte Alternative zu Tinkturen mit Opium und Kokain angesehen wurden und von vielen Leuten im Alltag gebraucht wurden. In „Marihuana“ umbenannt wurde die Pflanze verteufelt, Zeitungsberichte wurden gekauft und die Gesellschaft wurde sukzessive gegen Cannabis aufgestachelt. Berichte über mordende Kiffer, die nach dem Cannabiskonsum ihre Familie und sich selbst ermordeten, verrückt wurden oder andere Gräueltaten verbrochen haben, sorgten schnell dafür, dass die Bevölkerung die neue Droge verteufelte. Die Propagandafilmen aus der Reefer Madness Ära, mit all ihren Lügen entstammt ebenfalls aus der Feder Harry Anslingers und sind sein Meisterstück. Sie waren einzig und allein dazu da, um Cannabis zu verunglimpfen.

Das erreichte Ziel: Cannabis verbieten

Nach ungefähr 10 Jahren war das Ziel Anslingers erfüllt: Cannabis wurde zuerst in einzelnen Staaten, und letztendlich auf föderaler Ebene verboten. Der „Marihuana Tax Act“ sorgte dafür, dass der Umgang mit Cannabis nur mit spezieller Lizenz legal war, die man nicht erhalten konnte. So wurde die jahrtausendealte Arznei- und Nutzpflanze nach und nach aus der Gesellschaft verbannt.

Aus den USA in die UN

Einige Jahrzehnte später wurde Harry Anslinger von den USA als Delegierter in die Vereinten Nationen entsandt, wo er die Anti-Drogen-Rhetorik und Kampagne seiner Regierung fortsetzte. Unter seiner Führung wurde 1961 von der UN das „Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel“ unterzeichnet, dass die Prohibition aller Drogen auf die ganze Welt ausweitete und den globalen „War on Drugs“ einläutete. Dank dieses Abkommens ist es nicht möglich, Cannabis zu legalisieren. Lediglich Entkriminalisierung und andere Sanktionssenkungen sind im Spielraum dieses Vertrags zulässig.

Fazit

Anslinger war ein Rassist und ein Mann seiner Zeit. Wissenschaft und Fakten interessierten ihn nicht im Geringsten. Auch der „LaGuardia Report“, der wenige Jahre nach dem „Marihuana Tax Act“ seine Lügen als solche enttarnte, wurde von ihm begraben und diskreditiert. (Siehe unseren Post auf Facebook und Instagram). Er wollte einfach eine drogenfreie Welt sehen, was, unserer Meinung nach, damals wie heute einfach unrealistisch und naiv ist.