Von Pfanzensex, Hanfsamen und Co

Jan 31, 2020 | Über die Pflanze

Cannabis ist gut! Auch wenn es noch nicht überall in der Gesellschaft und erst Recht nicht bei manchen Parteien angekommen ist, ist Cannabis ein wunderbarer Rohstoff, der das Potenzial hat, die Welt zu verändern.

Wir bei CultureSativa wollen Euch mit allen Fakten rund um diese natürliche Nutz- und Heilpflanze versorgen, damit ihr mithelfen könnt, Cannabis wieder gesellschaftsfähig zu machen und auch noch die letzten alten Stigmen zu brechen. Es ist Zeit. 

Heute geht es um die Grundlagen der Cannabispflanze und darum, wie sie sich vermehrt. Ja, richtig gelesen – let’s talk about plant-sex, baby!

Was war zuerst da – Pflanze oder Samen?

Wie ihr vielleicht bereits wisst, wächst Cannabis wie alle Pflanze aus einem Samen. Sobald der Samen Wasser berührt, beginnt er mit dem Keimprozess, bildet zuerst Wurzeln, dann Keimblätter und später die ganze Pflanze aus. Doch als zweihäusige Pflanze besitzt Cannabis, wie wir Menschen, männliche und weibliche Gene. Um zu überleben, müssen die beiden Geschlechter miteinander “Sex” haben um sich fortzupflanzen. Aus diesem Grund produziert die weibliche Cannabispflanze Blütenkelche, an denen der männliche Pollen aufgefangen wird. 

Nur die männlichen Pflanzen produzieren Pollen. Sie produzieren kleine Kapseln, in denen ihr Pollen heranreift. Wenn die Pflanze reif genug ist, platzen die Kapseln auf und entlassen den Pollen in die Luft, um so den Fortbestand ihrer Art zu sichern. Cannabis setzt also auf Bestäubung mithilfe des Windes, anders als andere Pflanzen, die sich durch Insekten bestäuben lassen. Lustigerweise ist das auch der Grund, warum die weiblichen Pflanzen klebrige Trichome an den Blütenkelchen ausbilden. Diese stielartigen Harztröpfchen sind ideal, um den Pollen aufzufangen und so zu einer Befruchtung zu führen. Die Pflanzen wollen Samen produzieren, daher stecken sie mit zunehmendem Alter immer mehr Energie in die Produktion der Trichome. Irgendwo muss doch ein Männchen zu finden sein, nicht? Wenn kein männlicher Pollen auf die Blüten trifft, wird die Blüte nicht bestäubt und bleibt daher Samenlos und geht letztendlich ein (Anm. sin semilla bedeutet auf Spanisch “ohne Samen”).

Cannabis-Grower vs. Nutzhanfbauer

Meistens sortieren Cannabisgärtner die männlichen Pflanzen aus dem Garten aus, um die Weibchen zur Produktion von dicken, harzreichen Blüten zu motivieren, doch im industriellen Nutzhanfanbau werden gezielt Männchen UND Weibchen auf einem Feld angesetzt, um eine Bestäubung (und damit die Produktion von Samen) zu garantieren. Am Ende der Saison werden die Pflanzen geerntet und können zur Gewinnung von Samen, Fasern und Schäben weiterverarbeitet werden. Wichtig zu wissen ist, dass diese Samen in Europa nur als Lebensmittel oder Vogelfutter angeboten werden dürfen! Die Bauern müssen ihr Saatgut bei der EU kaufen und dürfen ihre eigenen Samen nicht weiter verwenden! So wird sichergestellt, dass die Pflanzen immer unter 0,3/0,2% THC bleiben. Natürlich würden die Pflanzen nach einigen Saisonen wieder einige Prozent THC produzieren, die ja wieder zu Rauschzwecken missbraucht werden könnten. Das soll verhindert werden. Zum Schutz der Gesundheit. Die Behörden wissen es halt besser als die Natur. 

Aber Cannabis wächst ja auch natürlich, und das millionenfach auf der ganzen Welt. Wenn solche Pflanzen nicht geerntet werden, dann fallen die Samen irgendwann aus den Blüten heraus und bilden so die Grundlage für die nächste Generation der Pflanze. So hat sich die Pflanze Cannabis über Jahrtausende in Indien, Asien und Afrika entwickelt, bevor sie von modernen Züchtern zu dem THC-Biest gezüchtet wurden, die wir heute bei den Cups sehen. #Turbogras

Symbiose mit der Natur – vom Menschen optimiert? 

Cannabis sorgt also selbst dafür, dass immer wieder eine neue Generation davon nachwächst. In der Natur, also unter Sonnenlicht, tendiert die Pflanze übrigens dazu, ein paar Prozent THC und auch ein paar Prozent CBD zu haben. „Landrassen“, so werden die alten Sorten genannt, tendieren zu einem ausgewogenen Cannabinoidgehalt und wirken daher in ihrem Effekt bei Weitem nicht so stark, wie etwa Indoor-Cannabis aus den USA. Unter Sonnenlicht und allein gelassen haben die “Cultivare” (so die korrekte Bezeichnung einer Cannabissorte) unterschiedliche Eigenschaften wie Höhe, Faserdicke, Größe der Hanfschäben etc. und sind daher individuell und einzigartig. Sie bilden als Landrassen das kulturelle Erbe der Cannabispflanze und sie sind es auch, die vor fast einem halben Jahrhundert zum Beginn der Selektion geführt hat, die uns zu den Blüten geführt hat, die heute legal und illegal gehandelt werden. Der Mensch hat immer nur nachgeholfen. Durch beispielsweise gezielte Bestäubung kann man neue „Sorten“ erschaffen, die Eigenschaften beider Elternteile haben. Selektion ist nichts anderes als das selektive Beschleunigen der natürlichen Vorgänge in kontrollierten Bedingungen.